| Monte
Negro
Ein jüngerer Mann, schon etwas
ungeduldig, hat sich schließlich zu einem Besuch entschlossen.
Ohne weiteres, im Bewußtsein seines Rechts, verschafft er sich
Eintritt.
Ich komme, um von Dir zu fordern, da ich Dir das Leben bewahrt
habe!
Der Alte nickt gewissenhaft, in selbstverständlicher Demut erklärt
er sich bereit. Er tritt an seinen Schreibtisch, der ebenso nieder
ist, wie nun die ganze Räumlichkeit erscheint.
Ich werde schreiben, dass ich Dir dankbar bin, meint er zuerst,
nimmt aber das Anzeichen der Unzufriedenheit auf und verbessert
sich: Dass ich Dir dankbar sein werde.
So steht es nun, gut sichtlich, mit Unterschrift, auf einem
Zettelchen, einem umgedrehten Kassazettel vielleicht.
Was jedoch bewegt Dich zu Deiner
Forderung?
Bisher nimmst Du Deine Verpflichtung nicht ernst genug, zu oberflächlich.
Wieder nickt der Alte in aufrichtiger Ergebenheit, einsehend
wiederholt er sich die Worte, merkt aber eine neuerliche Ungeduld,
da er wieder keine Anstalten macht.
Du musst wissen, das ist viel, das ist wirklich viel, sagt er nun,
nur ein Hauch von Ironie oder Kritik schwingt darin, als ob er
sich nicht wahrgenommen fühlte, mehr jedoch in einem ganzen,
leisen, klaren Wissen. Der alte Mann trägt über seinem
schlanken, zähen Oberkörper einen mit bündiger, roter Wolle
handgestrickten, etwas zu kleinen Pullover, auch sein schmales
Gesicht trägt einen bescheidenen - fast vogelhaften - Ausdruck.
Es soll in Zukunft anders sein,
als in Monte Negro, wage ich doch noch zurechtzuweisen, anstoßend,
mit einem gewissen Stolz.
Gestillt lasse ich mich durch den Ausgang zu meiner Kutsche
begleiten, die jetzt bunt, doch sanft bemalt ist, irgendwo
flattert ein Mäschchen an ihr, als ob sie zu einer Hochzeit
bereitet wäre. Ohne mich immer wieder umsehen zu müssen, werde
ich von hier gehen, mit einer zum Gruß leicht erhobenen, warmen
Hand.
Text von lgj
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